1. Einleitung

 

Man sagt, dab die heutige Kommunikationstechnologie die ganze Welt dem Individuum näher bringt. Dies sieht man nicht nur bei den www-Seiten, wo man Information über die ganze Welt und aus allen Herren Ländern lesen kann. Dies ist vor allem in den unterschiedlichen Interaktionschannels und -programmen zu spüren, die es ermöglichen sich in Echtzeit mit jemandem zu unterhalten, der tausende und aber tausende Kilometer entfernt ist. Eine von diesen Kommunikationsformen nennt sich Internet Relay Chat (IRC). Man kann diese Kommunikationsform mit einem Telefongespräch vergleichen, bei dem auch ein enormer räumlicher Abstand bestehen kann, aber kein zeitlicher. Der bedeutendste Unterschied zwischen diesen zwei Medien besteht darin, dab das Telefon ein phonisches und der IRC ein graphisches Medium ist.

 

In dieser Arbeit soll untersucht werden unter welchen Bedingungen gesprochene Sprache in dem graphischen Medium namens Internet Relay Chat verwendet werden kann. Wie ist es möglich, dab man im IRC z.B. Interjektionen verwenden kann, die man bis jetzt hauptsächlich in der mündlichen Kommunikation hat beobachten können.

Weiter werden Funktionen der im Textkorpus vorgekommenen na-Interjektion analysiert.

1.1. Die theoretischen Grundlagen

 

Das sprachtheoretische Modell von Peter Koch und Wulf Oesterreicher bildet die theoretische Basis dieser Arbeit. Die zentralen Begriffe des Modells sind die soziale Nähe, die konzeptionelle Mündlichkeit und die konzeptionelle Schriftlichkeit. Diese zwei Konzeptionen, ihre Relation zu einander und die Relation zu unterschiedlichen Textsorten bzw. Sprachformen werden mit Hilfe von Kommunikationsbedingungen bestimmt. Die Kommunikationsbedingungen werden durch die Aspekte der sozialen, der referentiellen und der physischen Nähe bzw. Distanz bestimmt. Peter Koch und Wulf Oesterreicher haben Parameterwerte zur Bestimmung der Kommunikationsbedingungen entwickelt, die in dieser Arbeit an die Sprachform im IRC, genauer in einem IRC-Chat, angewandt und dadurch zur Bestimmung ihrer Modalität bestimmt wird.

1.2. Der Untersuchungsvorgang

 

Bei jeder einzelnen Analyse werden sowohl der situative Kontext der Äuberung als auch das Netz der gesamten Äuberungen im Textkorpus und der IRC-bezogenen Informationen und Konventionen betrachtet. Der Ausdruck IRC-bezogenen Informationen und Konventionen bezieht sich u.a. auf Information über den Status eines IRC-Teilnehmers, auf gewisse Vorgänge und Geschenisse in einem IRC-Channel usw.

 

Für die Analyse der Kontexte der na-Belege werden die oben erwähnten Parameterwerte angewandt, um dadurch die vorhandenen Kommunikationsbedingungen zu bestimmen. Die na-Belege werden anhand des Kontextes in unterschiedliche Funktionsklassen von Konrad Ehlich eingeordnet, die die zweite bedeutende theoretische Basis dieser Arbeit bilden.

1.3. Das Untersuchungsmaterial

 

Das Untersuchungsmaterial besteht aus vier Abschnitten: Der erste und kürzeste stammt vom 10. September 1997, der zweite vom 22. September 1997, der dritte vom 19. Dezember 1997 und der letzte vom 30. Dezember 1997. Sie wurden dem Channel #germany entnommen - mit freundlicher Genehmigung der anwesenden Teilnehmer des Channels. Das Material umfasst den Gesprächstoff von 5 Stunden. Es wurde auf  einen Datenträger aufgezeichnet und später ausgedruckt.