7. na

 

na stellt eine für die gesprochene Sprache typische Interjektion dar, die besonders in einer Diskussion zwischen vertrauten Gesprächspartnern vorkommt. Aus diesem Grund gilt na als wichtiger Indikator für die konzeptionelle Mündlichkeit in der IRC-Sprache und für die mit ihr eng zusammenhängende soziale Nähe.

7.1. Angaben der Wörterbücher zu na

7.1.1. Duden. Deutsches Universalwörterbuch

 

na (Interj.) [viell. abgeschwächtes ánu] (ugs.): geht als Gesprächspartikel einem [verkürzten] Satz voraus u. bildet damit den emotionalen Übergang von etw., was als Geschehen, Gesprochenes od. Gedachtes vorausgegangen ist, zu einer daraus sich ergebenden Äußerung, die persönliche Gefühle, vor allem Ungeduld, Unzufriedenheit, Resignation, Ablehnung, aber auch Überraschung, eine Aufforderung, Zuspruch, Freude enthalten kann: na, na, na!; na [ja] gut; na schön; na, wenn du meinst?; na, warum eigentlich nicht?; na, dann mal los; na, so was!; na, der wird staunen [wenn er das sieht, hört]!; na, was soll denn das?; na, endlich hast du kapiert, worum es geht; na, das wird schon werden; na, wer wird denn weinen?; na, mach schon, komm schon; na, das verbitte ich mir aber; na, warte, ich werde mich rächen!; na, dann eben nicht; na, trinken wir erst mal ein Gläschen; (in vertraulicher Anrede:) na, wie geht es denn?; na, Kleiner?; na und? (provokante Gegenfrage, mit der ausgedrückt werden soll, daß man sich jmds. negativer Wertung von etwas nicht anschließt; ist das [so] schlimm?).”

7.1.2. Wahrig

 

na! (Int.; umg.) 1. (Ausruf der begütigenden Abwehr, der Ungläubigkeit, des auffordernden Zuspruchs, der Ungeduld u. der Erleichterung; <auch> vertrauliche Anrede); ~, ~! Vorsicht!; stimmt das wirklich?, nur ruhig, nicht aufregen! 2. ~, du?; ~, Kleiner, was möchtest du denn? 3. ~, ich danke! (Ausdruck der Ablehnung) das würde ich keinesfalls tun, das würde mir nicht gefallen; ~, hör mal! was fällt dir ein?, so geht das nicht!; ~, komm (schon)!; ~ warte! (leichte Drohung); ~, wird´s bald? 4. ~ also! siehst du, es geht also doch!; ich hab´es ja gleich gesagt!;  ~ endlich!; ~ dann, (od.) denn mal los!; ~ gut! nun gut!; wenn es sein muß: ja!; ~ ja!; ~ und ob! aber selbstverständlich!, mehr als das! ~ sowas! ist das möglich?, das hätte ich nicht gedacht!; ~ und? (herausfordernd) ist das so schlimm?; hast du etwas dagegen? 5. ~, wie geht´s?”

 

Zusammenfassend kann na Folgendes ausdrücken: Ungeduld, Unzufriedenheit, Resignation, Ablehnung, Überraschung, Aufforderung, Zuspruch, Freude, begütigende Abwehr, Ungläubigkeit, Erleichterung oder Drohung. Es wird auch in vertrauten Anreden verwendet.

 

Diese Vielfalt der Funktionen und Inhalte von na ist zweifelsohne auf dessen Gebrauch in der gesprochenen Sprache zurückzuführen. Es sind keine streng festgelegten und eingeschränkten Kategorien der Bedeutungen oder Funktionen vorhanden, obgleich na, nach den Wörterbücher-Angaben, in bestimmten Funktionen vorkommt. Die Palette ist weitaus breiter, als dies in Wörterbüchern darzustellen ist, da für solche Darstellung sowohl die Intonation als auch der Kontext berücksichtigt werden mübte. Die bedeutende Rolle der Intonation wird bei der Erörterung des na von Ehlich sehr deutlich.

7.2. Darstellung des na bei Konrad Ehlich

 

Konrad Ehlich[51] hat u.a. die Interjektion na nach phonetischen Kriterien untersucht: erstens unterscheidet er zwischen der Dauer der Aussprache (einfache Form, Kurzform und  reduplizierte Form)  und  der  steigenden  ( ´ ),  fallenden  ( ` ), fallend-steigenden ( ), steigend-fallenden ( ˆ ) und ebenen Tonstruktur ( ). Er führt acht mögliche Variationen der Intonation und sieben Funktionen an. In dieser Arbeit werden lediglich die verschiedenen Funktionen behandelt, ohne genauer die phonetischen Kriterien näher zu betrachten. Ehlich behandelt auch unterschiedliche Kombinationsmöglichkeiten des na mit anderen Wörtern (z.B. na ja, na gut[52]). Dazu genauer unten.

7.2.1. Kritik an der Untersuchung

 

Konrad Ehlich hat eine umfangreiche und gründliche Untersuchung zur Interjektion na durchgeführt. Er hat sie jedoch ohne jeglichen Kontext untersucht: es wurde eine Liste von unterschiedlichen Variationen des na und weiterer Interjektionen durch Muttersprachlerinnen vorgelesen. Die Variationen wurden dann durch Sonagramm aufgezeichnet[53].

 

In der Untersuchung blieben jedoch die wichtigen Informationen des Kontextes unberücksichtigt, was Ehlich zwar auch einräumt, gleichzeitig aber den Kontext als die einzige Betrachtungsweise kritisiert[54]. Der Kontext spielt jedoch eine wichtige Rolle bei der Interpretation und darf nicht vollständig vernachläßigt werden. Die Tonstruktur weist zwar auf die vielen verschiedenen Variationen hin, vermag aber allein kaum ein annähernd vollständiges Bild von Bedeutung und Inhalt geben. Es wäre also notwendig gewesen, sich um authentisches Untersuchungsmaterial zu bemühen, um noch umfangreichere und vollständigere Ergebnisse erreichen zu können.

7.3. Ehlichs Funktionsklassen des na[55]

 

Ehlich unterscheidet zwischen isolierten Formen und Formen, die in Verbindung  mit anderen Ausdrücken vorkommen. Die isolierten Formen kommen in “einfachen” oder “Kurzformen” vor. (Zur Markierung siehe unter 7.2.) Das Kapitel 7.3.1. behandelt die isolierten Formen und führt Ehlichs sieben Funktionsklassen an. Im Kap. 7.3.2. wird auf die Verbindungsformen eingegangen.

7.3.1. Isolierte Formen

 

Ehlich führt in seiner Tabelle[56] acht mögliche Varianten an, von denen er jedoch nur sieben eine eigene Funktion zuordnet (die unbehandelte Variante ist die Kurzform mit fallend-steigender Tonstruktur), die im Folgenden aufgelistet werden. Die verwendeten Zeichen sind unter 7.2. erklärt worden. Außer diesen wird ’ als Zeichen für die Kurzform verwendet. na ohne ’ ist die einfache Form.[57] Die Kategorisierung wird hier direkt nach Ehlich durchgeführt. Kursivdruck und Unterstreichungen wie auch Orthographie erfolgen nach Ehlich.

 

1.

 

                   Die Form kommt bei Kontaktaufnahme vor. Sie gehört also in den Zusammenhang, in dem auch Formeln wie Tach, hallo, hei stehen. Allerdings sind für die Anwendung von eine Reihe zusätzlicher Bedingungen zu erfüllen. Die eben erwähnten anderen Formen dienen besonders der Kontaktierung verbaler Art, wenn sich Aktanten begegnen. Bei hingegen ist dieses Element nicht wesentlich. Zwei Personen können sich zum Beispiel längere Zeit bereits in einem Raum, in dem auch andere Personen sind, gemeinsam aufgehalten haben. In dem Augenblick, in dem eine der beiden Personen mit der anderen Kontakt aufnehmen will, kann sie anwenden.

                   Die Grussformeln sind für diesen Zweck nur bedingt verwendbar (am ehesten noch die interjektionalen). Weiter ist Voraussetzung, dass die Aktanten, zwischen denen der Kontakt zustandekommen soll, bereits eine gemeinsame Vorgeschichte haben. Für Erstkontakte hingegen ist kaum geeignet. Dafür kann dagegen eine ausführliche Form von Tach, also Guten Tag, gebraucht werden. Die Vorgeschichte, die beide Aktanten miteinander teilen, muss weiterhin so sein, dass sie zu einer gewissen Vertrautheit zwischen ihnen geführt hat. Diese Voraussetzung schliesst es aus, dass bei Autoritätsgefälle der Aktant mit geringerer Autorität dem Aktanten mit mit grösserer Autorität gegenüber mittels ná Kontakt aufzunehmen versucht, während umgekehrt der Person mit grösserer Autoritätdie Initiativ offensteht.

                   Die Person, die gebraucht, bringt damit zum Ausdruck, dass sie mit der anderen Person auf der Basis von wechselseitiger Vertrautheit in Kontakt treten will. Würde der Aktant mit geringerer Autorität dies tun, so würde er das Autoritätsverhältnis damit implizit in Frage stellen, indem er die Autoritätsbarriere überspringt. Der Aktant mit der grösseren Autorität kann hingegen durchaus das Autoritätsverhältnis kurzfristig suspendieren, und genau dies geschieht, wenn er gebraucht. (So ist es etwa in der Schule dem Lehrer möglich, bei einer Gruppenarbeitsphase an einen Schülertisch zu treten und mit einen Diskurs zu eröffnen. Nur bei ganz spezifischen Konstellation kann hingegen der Schüler einen Lehrer, dem er begegnet, mit anreden).

 

2. na

                  

                   Die einfache Form na mit fallend-steigender Struktur ist eine Variante der zuvor besprochenen. Sie verleiht der Kontaktaufnahme spezifische registerielle Aspekte. Der Grad der Vertrautheit ist grösser, das Verhältnis der Aktanten zueinander `intensiver´.

                   na kann zum Beispiel einer ironischen Distanzierung dienen; es kann auch eine Drohung mit beinhalten. Die Anwendung dieser Form dient also nicht der Kontaktaufnahme allein, sondern lenkt auch in spezifischer Weise die Qualität, die die sich daran anschliessende Kommunikation (als Konsequenz der Kontaktaufnahme) annimmt.

                   Ein Beispiel für die drohende Verwendung wäre > Na. Hast du mir nichts zu sagen? < , das von einem Aktanten mit Autorität gegenüber einem von ihm abhängigen Aktanten geäussert wird. Die ironisierende Gebrauchsweise setzt dagegen eher Gleichstellung der Aktanten miteinander voraus.

 

3.

 

                   Diese Form ist einerseits routinisierte Variante zur ersten und damit der direkte Gegensatz zur zweiten (na). Sie findet Verwendung, nicht um Kontakt überhaupt und mit der Konsequenz längerer Gesprächsfortsetzung einzuleiten, sondern bei eher peripheren, kurzzeitigen Begegnungen, die jedoch unter den zu 1. geschilderten Bedingungen stattfinden. Die Reaktion des Angesprochnen kann sich zum Beispiel beschränken auf rein nonverbale Erwiderungen, wie Gesten des Gelingens, die besagen `alles o.k.´ (vgl. Ekman 1977).

 

                   Die Form kann aber auch verwendet werden, um den Angesprochenen gezielter zu einer Sprechhandlung zu provozieren, die als solche bereits zu erwarten war, aber vom Adressaten nicht realisiert wird. Diese Verwendung erscheint dann als Aufforderung zum Sprechen und zugleich als Einforderung von etwas, das kommunikativ zu bieten der andere aufgrund der wechselseitig verbindlichen Regeln des sprachlichen Handelns verpflichtet ist. Insofern ist ná’ zugleich die Form einer sprachlichen Handlung, die in den sprachlichen Produktionsprozess des anderen eingreift. Sie fordert dabei nicht zu einer Korrektur auf, sondern verlangt vom anderen, dass er seine normale sprachliche Tätigkeit auf erwartbare Weise fortsetzt. Diese Verwendung findet sich besonders unter solchen Bedingungen, in denen Kooperationsbereitschaft vonseiten des einen Aktanten nicht unterstellt werden kann, in denen zugleich zur Kompensation für diese Abweichung von den “normal input and output conditions” (Searle 1969:57,94) inbesondere durch institutionelle Massnahmen die Abfolgebeziehungen zwischen Sprechhandlungsmustern abgesichert werden: das heisst in Zwangskommunikationen wie Verhören, Examina usw. Derjenige, der den Ablauf der Gesamtkommunikation verwaltet, kann durch versuchen, diesen Ablauf zu beschleunigen, wenn der andere Aktant durch Schweigen seine Nichtkooperativität zum Ausdruck bringt.

                   Als Paraphrase dient `wird´s bald?´, mit der auch kombiniert werden kann: ` wird´s bald?´.

                   Gleichgültig, ob es sich um eine zwangskommunikative oder zwangsfreie Situation handelt, jedenfalls bezieht sich dieses auf eine vorgängige Erwartung hinsichtlich einer Handlung des anderen sowie auf die Verletzung dieser Erwartung durch ihn.

 

4.

 

                   Ist in der zuletzt besprochenen Verwendungsweise auf gewisse Produktionsverzögerungen des Angesprochenen bezogen, die an einer normalen Erwartbarkeit in der Abfolge von Sprechhandlungen bemessen werden, so zeigt in einer ersten charakteristischen Verwendungsweise denselben Verwendungszusammenhang, nur auf der Seite des Sprechers selbst. Es wird eingesetzt, wenn bei der sprachlichen Realisierung Probleme auftreten. Insbesondere die Abwesenheit eines für die Verbalisierung erforderlichen Erinnerungselementes ist es, die häufig eine Äusserung von im Gefolge hat.

 

                   Der charakterische Ablauf ist:

                   (a)                   überlange Pause an einer Nicht-Pausen-Stelle, bzw.

                   (a')                    Anakoluth

                   (b)                  

                   (c)                   Fortsetzung eines angefangenen Satzes usw.

                   Anstelle diese   kann zum Beispiel auch stehen `wie war das doch gleich?´, `wie hiess der doch gleich?´, `gleich fällt´s mir ein´ usw. Mit der Realisierung des bringt der Sprecher einerseits sein eigenes Erstaunen über das Versagen seiner Verbalisierungskapazität zum Ausdruck. Andererseits lässt er den Hörer verstehen, dass ihm die Performanz-Hemmung als solche bewusst ist, dass er an ihrer Beseitigung mental arbeitet, dass eine Reparaturanforderung1 von H nicht erforderlich ist und dass er, S, den turn weiter behalten möchte.

Die Verwendung von ist also ein wesentliches Mittel, um gewisse Schwierigkeiten der sprachlichen Tätigkeit in einer standardisierten Weise zu bewältigen, und dient so der Optimierung der Kommunikationsabläufe auf der Ebene der In- und Output-Verhältnisse.

 

                   Eine zweite Verwendungsweise von bezieht sich auf ein vorgängiges Ereignis, eine vorgängige Handlung anderer Aktanten oder des Sprechers selbst sowie auf eine vorgängige Sprechhandlung eines anderen Aktanten. Durch drückt der Sprecher aus, dass dieses Ereignis usw. nicht in Übereinstimmung mit seiner eigenen Erwartung hinsichtlich des Ereignisses usw. gestanden hat. steht hier anderen Ausdrücken nahe, wie òh. Ähnlich wie bei dieser Form liegt mentale Konstatierung einer Abweichung von einem erwarteten Verlauf zugrunde, jedoch relativ wertungsfrei. Es wird lediglich die Diskrepanz als solche kommentiert. Der Sprecher bringt seine Nichtübereinstimmung zum Ausdruck. Paraphrase wäre `komisch!´.

 

5.

 

                   Die Form wirkt auf den ersten Blick wie eine blosse Variante zu . In der Tat hat sie damit viel gemeinsam. Auch wird gebraucht, wenn eine Diskrepanz zwischen erwartetem Verlauf und tatsächlichem Verlauf eingetreten ist. Aber gegenüber kommt ein stärker deliberatives Element hinein. Zwar wird auch hier die Diskrepanz als solche benannt, zugleich aber bringt der Sprecher zum Ausdruck, dass er an ihr mehr zu arbeiten hat. Paraphrase wäre eher: `merkwürdig!´ als `komisch´. ist also zugleich Ausdruck für Nachdenklichkeit.

                   Der Sprecher fragt sich, welche Konsequenzen die Diskrepanz für sein eigenes Handeln usw. hat, und bringt zum Ausdruck, dass er sich das fragt. Demgegenüber ist eher rein konstatierend und damit abschliessend. Die Diskrepanz wird als Faktizität hingenommen und kann auf sich beruhen. Der Unterschied zwischen beiden Formen zeigt sich also auch hier wieder darin, dass intensivierend gegenüber ist.

                   Beide Formen mit fallendem Ton können auch die Funktion haben, die Beschäftigung mit einem vorgängigen Ereignis usw. zu beenden. Paraphrasen wäre: `Wie dem auch sei´.

                   Vor allem die Formen mit fallendem Ton werden in die Verbindungsform überführt.

 

6. na’

 

                   Die deliberative Komponente von zur Skepsis verstärkt in na’. Paraphrase wäre `wir wollen mal sehen, was das gibt´. Die Form ist zugleich normale Verbindungsform.1

                   Die Form na’ wird als Verbindungsform vor allem eingesetzt, wenn sich eine weitere Sprechhandlung deselben Sprechers, aber auch, wenn sich nur ein weiteres Wort wie ja, und usw. anschliesst.

                   Ein grosser Teil der in Lexika zusammengestellten Beispiele hat es mit dieser kombinatorischen Verwendungsweise zu tun. Sie hat vor allem wohl deshalb im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gestanden, weil die kombinatorische Verwendung über die Folgenangaben eine relativ leichte Identifikation der Bedeutungen zu ermöglichen schien. Doch es war oben (§ 5.2.) bereits darauf hingewiesen worden, dass diese analytische Erleichterung häufig gar nicht die Funktion des na betrifft, sondern dass einfach die Bedeutung der Folgesätze als Bedeutung des Ausdrucks na genommen wurde.

                   Die Funktionen der Verbindungsform als Neutralisation mindestens eines Teils des bisher beschriebenen Formen erfordert eine genauere Bestimmung der Zusammensetzungen bzw. Kontexte, in die na eingeht. [...]

 

7. nanà

 

                   Die reduplizierten Formen weisen anscheinend nur eine Variante auf, die als einzige den Kurzformen und den einfachen Formen gegenübersteht. Ihre tonale Struktur kann daher praktisch relativ variabel realisiert werden. Ich rechne sie unter systematischem Aspekt dem fallenden Ton zu, weil sie funktional zu den beiden anderen Varianten mit fallendem Ton die grösste Nähe hat.

                   nanà wird verwendet, um dem Adressaten entweder eine Nicht-Übereinstimmung des Sprechers mit einer zuvor vom Adressaten ausgeführten (Sprech-) Handlung mitzuteilen. Die Nicht-Übereinstimmung kann bis zum offenen Protest gehen, der als solcher an anderen akustischen Parametern erkennbar ist, die jedoch nur vergleichsweise schwer beschreibbar sind. Paraphrase wäre: `Da bist du aber zu weit gegangen!´, `das war etwas zu forsch!´ und ähnliches.

                   Oder nanà wird gebraucht, um den anderen in Bezug auf die zukünftigen Folgen einer geplanten Handlung zu warnen, die dieser im Begriff steht, überstürzt auszuführen, wobei er die Absicht dazu dem Sprecher mitgeteilt oder sonstwie zu erkennen gegeben hat. Paraphrasen wären: `Vorsicht, Vorsicht!´, `Mal langsam´, `Das kann ins Auge gehen!´.

 

Ehlich erwähnt noch die reduplizierte Form naná[58] (die Unterstreichungen nach Ehlich):

 

“Möglicherweise gibt es noch eine zweite Variante der reduplizierten Form, naná. Ich hatte diese Variante zunächst mit angesetzt, bin mir aber über ihren systematischen Stellenwert nicht mehr sicher. Konkrete Aufnahmen, anhand derer die Frage zu entscheiden wäre, sind mir nicht bekannt. Wenn die Form anzusetzen ist, entspricht die Veränderung der tonalen Struktur einem funktionalen Wechsel von der Warnung zur Drohung. Die Form stünde also der Form na nahe.”

 

 

7.3.2. Verbundene Formen

 

Unter den verbundenen Formen versteht Ehlich na-Vorkommen, die an weitere Äußerungen angeschlossen werden. na läßt sich nach Ehlich verbinden

“mit

(a)    anderen Kurzausdrücken wie ja, und, gut, schön, dann, endlich;

(b)    mit Imperativen wie lass das!, warte! oder;

(c)      imperativähnlichen Formen wie los, schnell;

(d)    mit Kombinationen von Wörtern aus der zuerst genannten Gruppe (a), wie wenn schon, so was.”[59]

 

Die Verbindung mit den oden angeführten Äuberungen ist teilweise so eng, dab sie zusammengeschrieben werden wie z.B naja, nagut, nanu. [60]

na kommt auch in Verbindung mit ganzen Sätzen vor, wie z.B. “wer wird denn weinen[61]; “na, warum eigentlich nicht”, “na, dann eben nicht[62]. Dies ist für diese Arbeit von Bedeutung, denn bei den Belegen im Untersuchungsmaterial handelt es sich mit einigen wenigen Ausnahmen nur um verbundene Formen: na kommt überwiegend mit längeren Ausdrücken wie auch mit den oden erwähnten Äuberungen verbunden vor. Sie werden unter den einleitenden Formen (9.1.) behandelt.

 

Ehlich zufolge kann die Verbindung von na und anderen Kurzausdrücken “zu einer einheitlichen Gesamtformel führen”[63]. Einige Beispiele von Ehlich: na und, na ja, na sowas, na dann eben nicht, na endlich. Die Verbindung zwischen na und dem weiteren Element kann so eng empfunden werden, dab sie zusammengeschrieben werden wie  die folgenden Beispiele von dem Untersuchungsmaterial zeigen: naja, nagut.