9. Analyse des na in #germany

 

Bei allen Belegen sind die folgenden Parameterwerte von Koch und Oesterreicher vorhanden: zeitliche Nähe und Vertrautheit der Partner. Lediglich die Vertrautheit wird bei der jeweiligen Analyse näher erläutert, da ihr als Indikator für die soziale Nähe am meisten Bedeutung zukommt. Dies bezüglich folgt eine Erläuterung zu Konventionen des IRCs: bei den meisten Beispielen handelt es sich um den sog. Operator-Status, der dem Teilnehmer ermöglicht, andere Teilnehmer aus der Diskussion auszuschlieben (“kicken”) oder ihnen sogar den Zugang zur Gruppe zu verwehren (“bannen”). Die Personen mit dem Operator-Status sind Stammteilnehmer und (eng) miteinander befreundet bzw. verfügen anderweitig über eine gewisse Vertrautheit zu einander. Eine Freundschaft außerhalb des Channels ist jedoch nicht notwendig. Dieser Status ist an dem @-Zeichen vor dem nickname zu erkennen[66], aber auch daran, daß ein Teilnehmer mit diesem Status im Channel beispielsweise gewisse Befehle geben kann, die sich im Textkorpus entschlüsseln lassen.

9.1. Einleitende Formen

 

Bei dieser Gruppe handelt es sich um einleitende Formen, die mit einer weiteren Äuberung verbunden sind und verschiedene einleitende Funktionen auszuüben scheinen; sie leiten z.B. eine Frage oder lediglich eine Aussage ein.

9.1.1. Aufforderung

 

(1)      <Hannah> na, MacGee, wie schauts?

 

Der Angesprochene gehört zu den Stammteilnehmern und hat den Operator-Status. Über den Sprecher steht keine Information zur Verfügung. Aus dem Kontext läbt sich  auf eine neue Bekanntschaft zwischen den Interaktanten schlieben. Sie versuchen sich zu einem Treffen verabreden. So läbt sich vermuten, dab zwischen ihnen ein gewisser Vertrautheitsgrad vorhanden ist. Der Grad der emotionalen Beteiligung ist nicht feststellbar.

Der Sprecher verwendet den nickname nicht am Anfang der Äußerung, was typisch für den IRC wäre: MacGee: na, wie schauts? Die hier verwendete Form gilt aber nicht als fehlerhaft. Sie kann verwendet werden, um den Kontakt persönlicher und “ansprechender” zu gestalten - oder aber lediglich zur Abwechslung. Die Diskussion erfolgt spontan: es werden Fragen gestellt und Vorschläge gemacht.

Im weiteren Sinne ist auch Dialogizität vorhanden, die sich daran zeigt, dab MacGee vom Sprecher zum Antworten aufgefordert wird. Im vorgängigen Gespräch zwischen ihnen ist eine Frage gestellt worden, worauf der Sprecher jetzt eine Antwort zu erhalten hofft bzw. darum bittet.

Diese Form ist mit der Ehlichschen Kurzform ná' (3) gleichzusetzen.

9.1.2. Kontaktaufnahme I

 

(2)      <Zwwergl> surak, na schon fit fuer wien?

 

Der Kontext dieser Äußerung zeigt Vertrautheit zwischen den Interaktanten auf: der Produzent und der Rezipient sind befreundet und planen eine Reise, sie verfügen über gemeinsames Wissen und gemeinsame Kommunikationserfahrung. Sie sind beide Stammteilnehmer und haben den Operator-Status.

Das Komma scheint ein Tippfehler zu sein, denn statt Doppelpunkt getippt zu haben hat der Sprecher das Komma getippt. In dieser Position, am Anfang nach dem nickname kommt im IRC i.R. Doppelpunkt vor. Für diese Interpretation spricht auch die Form der Äußerung, denn wäre die Namensnennung als eigentliche Anrede gedacht, würde der Name woanders stehen, und zwar, wie im obigen Fall, durch Kommas getrennt zwischen der Interjektion na und dem übrigen Satz: na, Surak, schon fit für Wien? Der angenommene Tippfehler gilt nur den IRC-Konventionen, da nach der gewöhnlichen Orthographie die Anrede durch Komma getrennt wird.

Wenn dieser Satz ausgesprochen würde, würde man wahrscheinlich nach dem na eine Pause setzten. Hier wird die mögliche Pause nicht durch Komma markiert, was wahrscheinlich der Ökonomität dient.

Hier ist Dialogizität auf zweierlei Weise vorhanden: Der Sprecher eröffnet eine Diskussion dadurch, daß er Kontakt zu dem Adressat aufnimmt. Der Adressat seinerseits wird durch eine Frage zur Fortsetzung der Diskussion aufgefordert. Spontaneität ist neben der zu behandelnden Frage auch in der Antwort des Angesprochenen wie auch in den darauffolgenden Äuberungen vorhanden. Man setzt das angefangene Thema fort und versucht den Adressaten zum Mitfahren zu bewegen.

 

Dieser Ausdruck kann auf zwei Weisen interpretiert werden: als eine Kontaktaufnahme oder als eine Aufforderung. Der Sprecher ist kurz vorher im Channel angekommen und hat den Adressaten begrüßt, und nimmt mit diesem Ausdruck den Kontakt auf[67].

Er eröffnet aber auch durch diese Frage eine Diskussion. Dieser Ausdruck hat also auch eine einleitende Funktion. Eine Aufforderung liegt insofern vor, daß der Sprecher den Adressaten zum Antworten, zur Informationsverteilung zu bewegen versucht, was ihm auch gelingt: <Surak> Zwergl: Klar bin ich fit, kennst mich doch    

 

Eine Kombination aus Kontaktaufnahme und Aufforderung ist wohl die betreffendste Interpretation für diesen Ausdruck. Diese Form entspricht der Kurzform der Aufforderung ná’ oder der einfachen Form der Kontaktaufnahme .

 

(3)      <netzlast> flirti: na... wat macht die kunst ?     

 

Hier liegt eine umgangssprachliche Frage vor, die nach DUW (in der Form: Was macht die Kunst?) `Wie geht es dir bei deiner Tätigkeit, Arbeit?´ bedeutet[68]. Diese Frage setzt laut einer Muttersprachlerin eine vertraute Relation voraus, eine freundschaftliche Beziehung und einen legeren Umgang zwischen den Interaktanten. Dies läßt sich auch aus dem Korpus herausstellen, denn beide Interaktanten sind Stammteilnehmer des Channels und haben den Operator-Status. Die Verwendung der dialektalen Form wat trägt zusätzlich zur Informalität bei.

 

Dieses na hat die Funktion einer Kontaktaufnahme, die auf eine Begrüßung folgt. Zwar läßt sich eine Fortsetzung des Gesprächs nicht feststellen: entweder entsteht keines oder es wird im sog. Privat-Fenster fortgesetzt. Deswegen bleibt auch die genauere Information über die Relation zwischen den Interaktenten gering. Angenommen sie setzten die Diskussion im privat Fenster fort würde dies von Vertrautheit und Freundschaft zwischen ihnen zeugen. Der Adressat ist im Channel gut gekannt, was sich von den zahlreichen Begrübungen der anderen Teilnehmer erkennen läbt. Dies weist seinerseits auf positive Affektivität hin.

 

na hat hier eine einleitende Funktion. Es steht selbständig am Anfang der Äußerung, vom weiteren Ausdruck durch Punkte getrennt. Diese Punkte deuten möglicherweise auf eine isolierte Form oder auf eine Pause hin. Durch diese Merkmale zeigt diese Äußerung starke Nähe zur Mündlichkeit auf. Hier liegt die Kurzform ’ (3) entsprechende Form vor.

 

(4)      <Liesl> morgaehn netzlast, na, was gibts so             

 

Diese Form ist mit den Fragen na, wie geht´s dir? oder na, was gibt´s Neues (bei dir?) zu vergleichen[69] und kann den “Gesamtformeln” Ehlichs[70] zugeordnet werden. Diese Frage setzt eine informelle Situation und eine (relativ) nahe Beziehung oder gute Bekanntschaft zwischen den Gesprächspartnern voraus, was aus dem Kontext auch hervorgeht. Beide Interaktanten sind Stammteilnehmer und haben den Operator-Status.

Sie scheinen zusätzlich gut befreundet zu sein und sie teilen gemeinsames Wissen. Sie verspotten gutmütig den Freund des anderen, was vor Vertrautheit zeugt. Die Interaktanten unterhalten sich um kein festes Thema, sondern das Gespräch läuft spontan. Auf Spontaneität weisen auch die Smileys und Akronyme hin.

Sowohl an der Stelle des Kommas zwischen der Anrede und dem übrigen Ausdruck, als auch nach dem na kann eine Pause vermutet werden. Das Fehlen des Kommas zwischen morgaehn und netzlast deutet auf Ökonomität hin, denn nach der deutschen Orthographie steht nach einem Wunschsatz und Anrede ein Ausrufezeichen.[71] Das Komma nach na dagegen kann aber auch nach den vom Sprecher vermuteten Rechtschreibkonventionen gesetzt worden sein.

 

na übt auch hier eine einleitende Funktion aus; es leitet eine Frage ein. Es hat zugleich  eine Kontakt aufnehmende Funktion. Die Frage bestätigt diese Interpretation, denn durch die Frage wird ein Kontakt aufgenommen, durch den es seinerseits zu einer Diskussion kommt. Dieses na gehört der Kurzform ná’ (3) an.

 

(5)      <mukda> surak na haste schoen gefeiert?             

 

Die Interaktanten sind Stammteilnehmer des Channels und haben den Operator-Status.

Sie sind gut befreundet; Surak drückt folgenderweise seine/ihre Freude wegen mukdas Eintreffen im Channel aus: <Surak> mukdaaaaaaaaaaaa

Weitere Information über die Interaktanten steht nicht zur Verfügung, denn Surak verläbt den Channel bald nach diesem Gespräch.

Die Interpretation dieses na wird anhand zweier Aspekte erläutert: aus dem Blickwinkel des Produzenten (a) und aus dem des Rezipienten (b). Es ist nämlich eine Art Mißverständnis zu beobachten, worauf die Erwiderung des Rezipienten schlieben läßt. Darauf wird in der Erklärung der zweiten Interpretation genauer eingegangen.

 

(a)              Kontaktaufnahme

 

Der Sprecher ist kurz vor seiner Äußerung in dem Channel eingetroffen und hat neben den anderen Teilnehmern auch seinen Gesprächspartner begrüßt. Also besteht der Kontakt bereits, den Ehlich für die Verwendung dieser Form voraussetzt. Sie verfügen auch über eine von Ehlich erwähnte Vorgeschichte[72], die mit dem Vertrautheitsgrad zusammenhängt. Das na leitet die Frage und dadurch eine Diskussion ein. Hier handelt es sich um die Kurzform ná’ (3)

 

(b) Einleitung

 

Bei der zweiten Interpretation wird der Blickwinkel des Adressaten eingenommen. Der Kontext läbt vermuten, daß der Adressat die Frage oder genauer das na anders interpretiert als der Sprecher gemeint hat. Zur Verdeutlichung ist im Folgenden der kurze Dialog angeführt:

 

<mukda> hi surak!

[...]

<Surak> mukdaaaaaaaaaaaa

[...]

<mukda> surak na haste schoen gefeiert?

<Surak> Was denn genau...?

[...]

<mukda> surak ich meinte weihnachtsfeier..

 

Der Angesprochene (Surak) scheint die Frage als eine Anspielung zu verstehen und das na als Repräsentant der Kategorie (2) (einfache Form mit fallend-steigender Intonation: na) zu interpretieren. Seine erste Antwort deutet darauf hin (Was denn genau...?). Er weiß nicht was der Sprecher mit seiner Frage erreichen will (und eventuell weiß er nicht wovon er spricht) und erbittet eine Spezifizierung der Frage.

Das intensive Verhältnis, das Ehlich als Voraussetzung für na anführt, ist vorhanden. Dies kann man aus den vorigen (und späteren) Diskussionen zwischen diesen Interaktanten schliessen. Ehlich beschreibt diese Form als eine Lenkung der Qualität, die die Diskussion durch diesen Ausdruck annimmt (siehe S. 43).

Hier leitet na eine Frage und einen Dialog ein. Der Aspekt der Kontaktaufnahme im engeren Sinne ist hier nicht vorhanden.

9.1.3. Kontaktaufnahme II

 

(6)    <_Ziggy> asterixxl: naaa, wie geht's deinem auto? isses nuechtern?

 

Die Vertrautheit ist stark, da die Kommunikationspartner Stammteilnehmer des Channels sind und den Operator-Status haben. Sie sind auch gut befreundet. _Ziggy drückt seine Freude über das Wiedersehen mit asteriXXl durch Ausruf aus, was in der Reduplikation des l und am breit lächelnden Smiley zu erkennen ist: <­_Ziggy> asterixxlllllllllllll :))) Er erhält den Operator-Status von asteriXXl verteilt. So ist neben Vertrautheit auch positive Emotionen zwischen den Gesprächspartnern zu vermuten. Die Frage des Sprechers läbt erkennen, daß die Interaktanten schon früher über das Auto des anderen gesprochen haben. Sie teilen  gemeinsames Wissen und gemeinsame Kommunikationserfahrung.

Hier läßt sich von der Form, dem langen a, auf die Variation (2) mit der fallend-steigenden Intonation (na) schließen. Ehlich unterstellt der Verwendung von na eine intensivere Vertrautheit als der Form (1).[73]

Nach Ehlich drück na ironische Distanzierung und Drohung aus, die den gegebenen Kontext jedoch nicht bezeichnen. Es liegt daher - trotz des langen a - wahrscheinlicher die Variation (1) vor, die der Kontaktaufnahme dient. Sie wird u.a. in einer Situation verwendet, in der sich die Kommunikationspartner in einem Raum bereits eine geraume Zeit aufgehalten haben und wenn einer von ihnen mit dem anderen in Kontakt treten will. (s. S. 42.) Er leitet seine Eröffnungsäuberung mit na ein.

9.1.4. Bewertende Aussage

 

(7)      <Liesl> mukda: na, des is doch schoen :)

 

Bei dieser Äußerung ist Vertrautheit zwischen den Interaktanten zu beobachten. Beide sind Stammteilnehmer und haben den Status des Operators. Sie kennen sich gut, sind  befreundet und kennen sich anscheinend auch im sog. wahren Leben[74]. Sie teilen gemeinsames Wissen, gemeinsame Erfahrungen und eine gemeinsame Vorgeschichte. Emotionale Beteiligung zeigt sich bereits in der Begrübung (mukda nennt seine Gesprächspartnerin mit ihrem alten nickname zwwergl): <mukda> re zwergl!!! […] <Liesl> re mukdachen […] Emotionale Beteiligung ist später sowohl in der Wortwahl (schoen) als auch im Gebrauch des Smileys zu betrachten. Sie bezieht sich sowohl auf die Personen als auch auf den Kommunikationsgegenstand wie z.B. hier: <mukda> zwergl iuu das ist aber schlecht  Die Dialogizität zeigt sich an der Partnerzuwendung, die auch mit dem eben Gesagten zusammenhängt. Spontaneität zeigt sich neben dem Gebrauch der Smileys (und später im Gebrauch der Akronyme) in der Entwicklung der Diskussionsthemen.

Würde die Äußerung laut gesprochen, wäre zwischen na und dem übrigen Satz kaum eine Pause zu beobachten. Dieses na leitet eine positive Bewertung ein. Der Smiley am Ende der Äußerung, der breites Lächeln ausdrückt, bestätigt die positive Aussage. Dieses nabt sich eindeutig zu keiner der Ehlichschen Kategorie einzuordnen.

 

(8)      <Liesl> mukda: na, besser spaet als nie!  :)     

 

Der Sprecher dieses Ausdrucks ist Stammteilnehmer mit dem Operator-Status. Das gilt auch für den Adressaten. Die Interaktanten kennen sich gut, haben gemeinsames Wissen und eine gemeinsame Vorgeschichte, was zu der Vertrautheit beiträgt. Vom Kontext ist auf Spontaneität und lockeren Umgang zu schlieben; es wird das Lachen nachgeahmt (*hahahaha* und *alch* (pro *lach*)) und das Versagen des Denkvermögens des Adressaten (mensch! ich hab gerade kapiert) gelassen und humorvoll durch den Sprecher kommentiert: na, besser spaet als nie! :).

Der Smiley trägt zur Aufheiterung bei und stellt eine Zuwendung zum Partner dar. Das eben Gesagte zeugt von emotionaler Beteiligung an der Kommunikationssituation.

Dieses na leitet eine (positive) Bewertung ein. Das Komma deutet eventuell auf eine Pause hin, die beim Aussprechen realisiert werden könnte. Es ist aber möglich, daß das Komma nach den von dem Schreiber vermuteten Rechtschreibkonventionen gesetzt worden ist und daher nicht unbedingt mit einer Pause zusammenhängt. Eine eindeutige Kategorisierung nach der Ehlichschen Klassifikation dieses na ist nicht möglich.

9.1.5. Sonstige Äußerungsformen

 

(9)      <Octavian> Gabriel: na, hat sich die zeit zwischen zwei abstürzen verkürzt?             

 

Aus dem vorangegangenen Abschnitt geht nur der Operator-Status des Adressaten hervor, es liegt keine Information über den Sprecher vor. Er ist kurz vor seiner Äußerung im Channel angekommen und verläßt ihn bald wieder. Davon läßt sich also auf keine eindeutige Vertrautheit, aber auch auf Fremdheit schließen. Man kann aber die Erwiderung des Adressaten als ablehnend interpretieren, denn sie besteht (neben der Anrede mit Doppelpunkt) lediglich aus dem Interrogativpronomen was: Was ?? Zwei Fragezeichen weisen oft auf eine verwundernde Frage oder auf völliges Unverständnis hin.

Mit diesem Hintergrund ist es sehr schwierig und unzwecksmäßig, die Lage der Relation näher bewerten zu wollen.

 

Dieser Äußerung geht eine Situation voraus, in der der Adressat die vorangegangene Frage nicht verstanden hat, die der Sprecher hier umformuliert. Zusätzlich setzt er das na an den Anfang des Satzes. Aufgrund der Reaktion des Adressaten ist Unzufriedenheit und eventuell Ungeduld von seiten des Sprechers in seiner zweiten, umformulierten Frage zu vermuten. Der Sprecher drückt seine Unzufriedenheit über den nicht seinen Erwartungen entsprechenden Ablauf der Ereignisse aus. Er erhält, wider seinen Erwartungen, keine Antwort auf seine erste Frage, sondern eine Gegenfrage, die nicht allzu freundlich oder entgegenkommend wirkt.

Dieses na ist in keine der Ehlichschen Kategorien einzuordnen. Die Kategorie (4) nà’ (die zweite Verwendungsweise. Siehe S. 45) wäre aus phonetischen Gründen am nächsten zu diesem na, denn es ist eine fallende Intonation zu vermuten. In bezug auf die Funktion ist die von Ehlich vermutete `Produktionsverzögerung´ auf der Seite des Sprechers nicht vorhanden. Es ist auch keine Produktionsverzögerung auf der Seite des Adressaten zu vermuten. Im Kontext geht es lediglich darum, dab der Adressat die Frage des Sprechers nicht verstanden hat. Es ist daher auch nicht die Kategorie (3) ná’ zu vermuten. Dieses na bleibt daher ohne feste Kategorisierung.

 

(10)      <knorke> amiga: *griiiiiiins* na, nur so  :)))

 

In diesem Kontext ist Vertrautheit zu beobachten, denn zumindest der Adressat ist Stammteilnehmer (in dem Abschnitt läßt sich keine Information über den möglichen Operator-Status des Sprechers finden). Außerdem weisen die kurze Interaktion, die Smileys und der Asterisk-Ausdruck auf einen legeren Umgang zwischen den Interaktanten, die auch in der vorangegangenen Äußerung vorhanden sind. *grins* ist ein Ausdruck, der das Grinsen manifestiert und zwar als eine Art kommentarlose Erwiderung: Der Sprecher greift auf eine Mimik bzw. auf eine Mimik ausdrückende Äußerung zurück, da ihm keine passende verbale Äußerung einfällt oder diese für unnötig hält. Ein verbaler Ausdruck folgt später. Der Asterisk-Ausdruck dient auch der Schnelligkeit, da man seine Reaktion o.ä. mit einem Asterisk-Ausdruck, der die tatsächliche Reaktion (Gesichtsausdruck, Schulterzucken usw.) wiederspiegelt, schneller ausdrücken kann. Dies weist auf die Spontaneität hin: Man verwendet spontan die Kommunikationsmittel, die in der gegebenen Situation zur Verfügung stehen. Der Kontext läbt auf Expressivität schließen, die sich in mehrfacher Verwendung von Ausrufe- und Fragezeichen manifestiert. Auch hier zeigt sich die Spontaneität an der dichten Folge von Äußerungen wie auch an der Themenentwicklung. Weiter nehmen die anderen Teilnehmer spontan an Knorkes und Amigateks Diskussion teil.

Dieses na übt eine einleitende, eventuell auch eine modalisierende Funktion aus. Für die Modalisierung spricht der bereits erwähnte Asterisk-Ausdruck: Die Äußerung ist nicht ganz ernst zu nehmen, obgleich der Kontext auch andere Schlüsse zuläbt. Der breit lächelnde bzw. lachende Smiley unterstützt diese Aussage.

Das Komma scheint auf eine Pause hinzuweisen. Es ist auf die Selbständigkeit des na zurückzuführen und gehört nicht zu dem weiteren Ausdruck. Das Komma kann auch nach den Rechtschreibregeln gesetzt worden sein.

Dieses na kann mit der Kategorie (5) gleichgestezt werden. Nach Ehlich kann auch zum Beenden eines vorgängigen Ereignis dienen[75]. Als Paraphrase schlägt Ehlich `wie dem auch sei´ vor.

 

(11)      <RedSky> surak: na zuhoern :))))

 

Vom Kontext läßt sich wieder auf Vertrautheit schließen: Es handelt sich auch hier um Stammteilnehmer mit Operator-Status. Das Thema weist auf eine enge Freundschaft und auf Vertrautheit zwischen den Interaktanten hin. Das Thema hat sich von einem zuvor besprochenen entwickelt. Den Smiley kann man sowohl als Lachen als auch als sehr breites Lächeln interpretieren, was von positiver Expressivität zeugt.

Die Dichte der Interaktion (es gibt kaum Äußerungen von den anderen Teilnehmern zwischen den weiteren Äußerungen dieses Sprechers und denen des Adressaten) folgt aus der Spontaneität und Schnelligkeit der Kommunikation zwischen beiden Interaktanten. Die Dialogizität wird durch den häufigen Wechsel der Produzentenrolle deutlich. Die Tatsache, daß nur die Ellipse na zuhoeren als Antwort hinreichend ist, beweist eine gewisse Themenfixierung: Trotz der Kürze weiß man, worauf sich der andere bezieht. Diese Art der “knappen” Kommunikation weist stark auf Mündlichkeit hin. Die weiteren aufgeführten Merkmale sind Zeichen für eine relativ starke soziale Nähe.

 

Hier liegt ein na ohne Komma vor. Das Fehlen des Kommas kann auf die Ökonomität zurückgeführt werden. Die Verbindung zwischen den beiden Elementen kann aber auch vom Sprecher so eng gesehen worden sein, dab es keines bedarf. Dabei handelt es sich aber nicht um eine der von Ehlich vorgeschlagenen Verbindungsformen,[76] denn diese Äüberung gilt nicht als formelhaft, was eine Voraussetzung für die Kategorie der Verbindungsformen ist. Dagegen liegt hier die Kategorie (6) (na) des na vor, die nach Ehlich eine “normale Verbindungsform”[77] ist und einer weiterer Äuberung des Sprechers vorangeht.

 

(12)    <IronEagle> claudi: na irgendwie schafft santacs es nich meine kiste abzuschiessen... :) und irgendwie c und ekel und so sind idle...

 

Dieser Satz eröffnet eine kurze Diskussion zwischen zwei Teilnehmern. Beide Interaktanten sind Stammteilnehmer mit Operator-Status und - wie aus weiteren Diskussions-Abschnitten geschlossen werden kann - kennen sich beide seit einer längeren Zeit. Sie verfügen über gemeinsames (Fach-) Wissen. Eine (relativ) vertraute Relation zwischen ihnen läßt sich in der nachfolgenden Äußerung vom Adressaten beobachten:

 

<claudi> IronEagle: oooch..kann man dich garnich teardroppen oder so du armes hascherl *:(

 

DUW bezeichnet Hascherl als ein besonders in der süddeutschen und österreichischen Umgangssprache vorkommendes Wort mit der Bedeutung von armes, bedauernswertes Wesen, Kind

Die Verwendung dieses Wortes setzt einen gewissen Vertrautheitsgrad voraus: die Interaktanten müssen über gewisse soziale Nähe verfügen.

 

Im Kontext entsteht Dialog durch die spontane Übernahme der Sprecherrolle durch Claudi und die von ihr gestellte (gespielt bedauernde) Frage. Affektivität sowie Expressivität werden mit einem traurigen Smiley zum Ausdruck gebracht.

Bei dem ersten Satz mit dem na handelt es sich um eine computertechnische Angelegenheit. Mit bestimmten Programmen ist es möglich, den Computer des anderen abstürzen zu lassen. Dies gelingt dem Teilnehmer santacs nicht, wie aus dem Satz hervorgeht. Deshalb ist der Sprecher enttäuscht oder spielt diese Enttäuschung vor. Er will das Sicherheitssystem seines Rechners überprüfen. Das wird im folgenden Abschnitt verdeutlicht. (Kiste = Computer, PC):

 

* IronEagle ist deprimiert..

<claudi> fiesooooo  ?

[...]

<IronEagle> claudi: na irgendwie schafft santacs es nich meine kiste abzuschiessen... :) und irgendwie und ekel und so sind idle...

<claudi> IronEagle: oooch..kann man dich garnich teardroppen oder so du armes hascherl *:(

<IronEagle> claudi: genau das will ich ja wissen ob das geht oder nich :-)

 

Die tatsächlichen Ereignisse entsprechen nicht den Erwartungen des Sprechers. Daher sind die Kategorien (4, nà’) und (5, ) möglich, von denen die letztgenannte wahrscheinlicher ist. Nach Ehlich steht die einfache Form für Nachdenklichkeit. Sie ist intensivierend im Vergleich zu (4) und in diesem Zusammenhang wäre die von ihm vorgeschlagene Paraphrase “merkwürdig” gut einsetztbar.

Die Enttäuschung ist jedoch wie erwähnt nicht vollkommen ernst gemeint, was die Verwendung des Smileys entlarvt. Die gegenseitige Überprüfung und die Verbesserung der Computersoftware kommt aber bei IRC-Benutzern häufig vor.

 

Obgleich nach na kein Komma steht, ist eine Pause zwischen na und der Fortsetzung zu vermuten. Dies weist auf eine isolierte Form hin. Auch die Möglichkeit der oben erwähnten Paraphrase deutet darauf hin.

9.2. Reduplizierte Form

 

(13)      <RedSky> surak. nanAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!     

 

Der Kontext läbt auf ein vertrautes Verhältnis und eine gute Freundschaft zwischen dem Sprecher und dem Adressaten schlieben. Es sind Expressivität und Affektivität in der Grobschreibung (siehe unten im Dialog) wie auch in der Reduplikation zu sehen. Spontaneität zeigt sich u.a. daran, dab RedSky sich zu einem Gespräch äubert, an dem sie nicht beteiligt ist. Auf diese Äuberung reagiert Surak mit einem expressiven Ausdruck (s. den Dialog unten). Der Freund der Sprecherin wird gehänselt, worauf die Sprecherin mit einer “Drohung” antwortet. Zur Verdeutlichung wird der kurze Dialog angeführt:

 

* RedSky hat schon nen (jungen) Mann im bett

[…]

<Surak> RedSky: JUNG…??? Den ollen Sack…?

[…]

<RedSky> surak. naNAAAAAAAAAAAAAA!

 

Dieser Ausdruck entspricht der von Ehlich vermuteten reduplizierten Form naná (s. S. 46). Ehlich interpretiert diesen Ausdruck auch als eine Drohung.

Diese Form von nana (Betonung auf der zweiten Silbe) ist häufig in den oberdeutschen Dialekten zu hören. Vier Interviewte aus den niederdeutschen Gebieten (Berlin und Bonn) haben dies bestätigt, denn sie kennen diese Interjektion in dieser Form und Funktion nicht.

Hier wird der Ausdruck durch die Vervielfachung und vor allem durch die Grobschreibung des a intensiviert. Als Paraphrase ist z.B. “Paß mal auf, was du da sagst!” möglich.

9.3. Ehlichsche Verbindungsformen

 

Diese Kategorie umfaßt Formen, die Ehlich in seiner Monographie als Verbindungsformen bezeichnet. Es handelt sich dabei um Formen, die oft einen Formelcharakter haben (“Gesamtformel”, die aus na und einem Kurzausdruck bestehen)[78]. Es wird in diesem Kapitel eine Kategorisierung der na-Kontexte. Eine Kategorisierung der na-Belegen ist wegen der fehlenden Information der Intonation nicht sinnvoll und möglich.

Ehlich schlägt in seinem Werk für die Verbindungsformen keine eigenen Kategorien vor, sondern er analysiert die na-Interjektionen nach der Intonation und dem jeweiligen Kontext und ordnet dann die na-Interjektionen den in dieser Arbeit vorgestellten Funktionsklassen zu.

9.3.1. Provokante Gegenfrage

 

(14)      <Liesl> blackbye: na und?

 

Ehlich beschreibt diesen Ausdruck lediglich unter dem phonetischen Aspekt. Er vermutet die steigende Intonation als Folge vom Ausdruck `und was soll daraus folgen?´ oder von einem ähnlichen Ausdruck, der zu na und? verkürzt worden sei.[79]  Eine inhaltliche Beschreibung bietet er nicht an.

na und? gilt nach DUW als provokante Gegenfrage, mit der ausgedrückt wird, “daß man sich jemandes negativer Wertung von etwas nicht anschließt”. Wahrig beschreibt diesen Ausdruck als “herausfordernd”. Beide Wörterbücher führen als Paraphrase `ist das so schlimm?´ an.

Die Auskunft von DUW stimmt mit dem Kontext überein, denn es handelt sich dabei um eine kurze Auseinandersetzung zwischen einigen Teilnehmern. Ein Teilnehmer wird aus dem Channel “rausgekickt”, was von einem anderen kritisiert wird. Darauf folgt eine Äußerung von einem dritten Teilnehmer (Liesl), die mit dem Vorfall nichts zu tun hat. Zur Veranschaulichung ist im Folgenden die kurze Diskussion angeführt:

             

              *** Papa was kicked by netzlast (ich will desch mama….)

              […]

* Liesl will auch kicken

[…]

<blackybe> netzlast: papa hat doch kein wort gesagt

              [...]

<neztlast> black: um so schlimmer… idler mag ich garnicht

      <Liesl> blackbye: na und?

        

Liesl gehört zu den Operatorn, denen es erlaubt ist, Teilnehmer aus dem Channel auszuschließen, was sie auch später tut:

*** blackybe was kicked by Liesl (und weils so spass macht, mach ichs auch gleich).

 

Von blackybe und dem Ausgeschlossenen (papa) steht keine Information über ihren möglichen Operator-Status zur Verfügung. Sie scheinen jedoch regelmäßige Besucher des Channels zu sein und kennen bereits einige Teilnehmer.

Liesl betrachtet ihre Rolle im Channel als autoritär dem Angesprochenen gegenüber. Dies erfolgt durch ihren Operator-Status. Wie Ehlich bei der Kategorie (1) erwähnt, ist die Verwendung von nur möglich ist, wenn der Sprecher über gröbere Autorität verfügt.[80] Dies gilt auch dem vorliegenden Fall.

 

Parameterwerte, die zur sozialen Nähe in diesem Kontext beitragen, sind Affektivität, eventuell auch Expressivität und Spontaneität. Affektivität richtet sich auf den ausgeschlossenen papa. Der Ausdruck idler[81] bezieht sich auf den Teilnehmer, der zwar im Channel anwesend ist, nimmt jedoch nicht an Gespräch teil. Der letztgenannte Parameterwert ist damit zu begründen, daß sich Liesl zu der Angelegenheit äußert, obgleich sie daran nicht beteiligt war.

9.3.2. Ablehnung

 

(15)      <Trips> realitee: na komm...jetzt wird noch sentimental...soooo viel besser wars da au net  

 

Sowohl der Sprecher als auch der Adressat gehören zu den Stammteilnehmern, jedoch hat nur der Adressat den Operator-Status oder der mögliche Operator-Status des Sprechers läßt sich nicht aus dem Textkorpus herausfinden. Eine gewisse Vertrautheit zwischen den Interaktanten ist zu erkennen. Sie verfügen über gemeinsames Wissen. Die emotionale Beteiligung zeigt sich sowohl an dem lebhaften Vokabular (wie z.B. der ganze DAU-Dreck, die mIRC-scheisse und die mIRC-colorheinis) wie auch an dem gegenseitigen Ausschlieben aus dem Channel und an den unterschiedlichen Kommentaren zu der Diskussion (z.B. “Wer Farben benutzt, nervt. Wer nervt. fliegt.”)

In der Handlungssituation geht es um eine leichte Auseinandersetzung zwischen mehreren Teilnehmern über die momentane Lage des Channels. Im zu beobachtenden Ausdruck und dem Kontext ist sowohl Affektivität als auch Expressivität zu erkennen wie z.B.:

 

<Rashid> special nervt ja nu BIG TIME , soviel is ja wohl klar...........

* quattro koennte ja jetzt rumjammer wie korn

 

Bei na komm handelt es sich um eine verbundene Form, in der na an einen Imperativ angeschlossen ist. Diese Form gilt als eine formelhafte Äußerung der Alltagskommunikation als Ausdruck des (leichten) Ablehnens, der Nicht-Übereinstimmung etc.

 

Die Punkte nach na komm weisen auf eine isolierte bzw. selbständige Position des Ausdrucks hin. Hier ist die syntaktische Sonderstellung der Interjektionen zu sehen. na komm könnte auch alleine ohne den nachfolgenden Satz stehen, der lediglich als eine Art Intensivierung bzw. Verdeutlichung der Aussage fungiert.

Die Punkte nach na komm können womöglich auch eine Pause markieren: Würde der Satz ausgesprochen,  würde nach na komm eine Pause gemacht werden.

9.3.3. Aufforderung

 

(16)      <Surak> Zwergl: na dann hopp

 

Zwischen dem Produzenten und dem Rezipienten herrscht eine vertraute Relation: sie sind beide Stammteilnehmer des Channels und haben den Operator-Status. Sie verfügen über gemeinsames Wissen und gemeinsame Kommunikationserfahrung. Die Diskussion läuft spontan: das Thema wird fortgesetzt und etwas erweitert. Der Ausdruck an sich kann als spontan gewertet werden, denn er gehört den formelhaften Ausdrücken an.[82]

Hier liegt nach Ehlich eine der Verbindungsformen vor und zwar eine Kombination mit einem “anderen Kurzausdruck”. Zu diesen “anderen Kurzausdrücken” zählt er u.a. ja, endlich, gut und dann.[83] na ist hier zusätzlich mit dem Wort hopp verbunden. Dadurch entsteht ein imperativähnlicher Ausdruck, mit dem Zwwergl zur Aktivität in bezug auf Reisevorbereitungen aufgefordert wird:

 

<Zwwergl> surak: ich haett noch mitfahren koennen meinte boernie, im bus waer noch platy frei,

[...]

<Zwwergl> surak: aber schlafen haett ich im bus muessen, oder nen jungen mann aufreissen der mit mir in nem bett schlaeft

[…]

<Surak> Zwergl: Na dann hopp

[…]

<Surak> Zwergl: Dann reiss Dir halt einen auf

 

Auf den ersten Blick ist nicht klar auf welche der beiden Äuberungen von Zwwergl die Bemerkung Suraks Bezug nimmt. Es folgt noch eine weitere Äußerung von Surak, die sich eindeutig auf die letztere von Zwwergl bezieht: <Surak> Zwergl: Dann reiss Dir halt einen auf. Folgender Fall ist eingetreten: Zwwergl hat ihre Äußerung der Länge wegen in zwei Abschnitte aufgeteilt. Dadurch wird das Rezipieren erleichtert. Der Kommentar von Surak folgt zwar nach dem zweiten Ausdruck von Zwwergl, ist aber gleichzeitig mit dem zweiten Ausdruck von Zwwergl eingetippt worden. Dies ist mit “Überlappen der Diskussionen”[84] gemeint: Innerhalb eines Gesprächs zwischen zwei Personen werden sich zeitlich überlappende Antworten oder Kommentare eingegeben.

9.3.4. Bewertung

 

(17)      <_Ziggy> asterixxl: na wunderbar... is nur n' bissle blau (wie eigentlich immer)

 

Auch hier sind die Interaktanten Stammteilnehmer des Channels mit dem Operator-Status. Sie teilen gemeinsames Wissen und gemeinsame Kommunikationserfahrung. Kooperation ist insofern vorhanden, daß der Angesprochene vorher eine Gegenfrage gestellt hat um dadurch die Diskussion fortzusetzen. Dies trägt zur Dialogizität bei. Spontaneität läßt sich daran erkennen, daß der Produzent den Kontakt kurz vorher durch eine Frage aufgenommen hat. Spontaneität zeigt sich auch daran, dab die Ausdrücke sehr schnell folgen. Es sind kaum Äußerungen von anderen Teilnehmern dazwischen.

 

Die Äußerung besteht aus zwei Teilen: Der erste Teil mit na bezieht sich auf eine Antwort des Angesprochenen und der zweite Teil auf eine Frage desselben. Von Bedeutung ist hier aber lediglich der erste Teil.

Der erste Teil drückt eine positive Bewertung[85] o.ä. aus. Der Sprecher kommentiert die vorangegangene Äußerung des Adressaten. Die Interpretation der Bewertung ist von dem darauffolgenden Adjektiv zu abhängig. Ehlich schreibt (Orthographie nach Ehlich): “Einige der Anschlussätze bringen Bewertungen des Sprechers zum Ausdruck (na, das war ja prima!; na, so eine Überraschung!).”

Dem na kann hier kein eindeutiger Inhalt zugeschrieben werden, es steht als eine einleitende Komponente am Anfang der Äußerung.

 

Das gleiche gilt für die folgenden Äußerungen:

 

(18)      <RedSky> cyber: na logo      

(19)      <RedSky> ts: na hoffentlich!         

(20)      <RedSky> surak: na glueckwunsch! :)             

 

Das Wort logo ist eine umgangssprachliche Form für logisch und hat die Bedeutung von “selbstverständlich[86]. Das allein stehende na logo verleiht dem Gespräch gewisse Spontaneität. Dialogizität entsteht durch Frage und eine Gegenfrage.

 

Bei den letzten zwei Äuberungen handelt es sich um keine Bewertungen, sondern um Wunschsätze. Durch na wird den Situationen gewisse Spontaneität und Informalität verliehen: Nur `hoffentlich´ und besonders `Glückwunsch´ allein in dem gleichen Kontext würden etwas abrupt wirken. na dient auch hier als ein einleitendes Element. Alle drei Belege sind mit den “anderen Kurzausdrücken” gleichzusetzten. (s. unter 7.3.2. (a).)

Das Fehlen des Kommas deutet nicht nur darauf hin, daß der Rezipient seine Äußerung möglichst ökonomisch hat eingeben wollen, sondern möglicherweise auch darauf, daß der Rezipient diesen Zusammenhang zwischen na und dem Nomen sehr eng empfindet und sie zusammenschreibt. Diese enge Zusammengehörigkeit ist mit der Verbindung von z.B. na und gut bzw. na und ja zu vergleichen.[87]

9.3.5. Feststellendes naja

 

naja kommt am Anfang der folgenden Beispielsätze vor und drückt eine Feststellung aus. Es dient auch der Einleitung der jeweiligen Aussage.

 

(21)      <Claudi> asteriXXl: naja..ab und zu denk ich mir auch ma was selbst zusammen und red des dann frei raus *hehe*             

 

Der Sprecher und der Adressat gehören zu den Stammteilnehmern des Channels und haben den Operator-Status. Es besteht zwischen ihnen also eine gewisse Vertrautheit oder Zusammengehörigkeit. Spontaneität ist insofern vorhanden, daß die vorangegangene Äußerung, worauf sich der obige Ausdruck bezieht, vollkommen ohne sichtbaren Zusammenhang dasteht: <asteriXXL> claudi :) hollywood *wo*

Auf diese Zusammenhanglosigkeit bezieht sich auch der Sprecher. Der Sprecher äubert sich seinerseits spontan zu dem obigen Ausdruck. Auber einer weiteren Äuberung von asteriXXl kommt es nicht zu einem Dialog zwischen den Interaktanten. Sie sind jedoch mit einander befreundet, was aus dem gesamten Untersuchungsmaterial hervorgeht. Sie sind Stammteilnehmer mit Operator-Status. Sie teilen gemeinsames Wissen und gemeinsame Kommunikationserfahrung. Ihre Relation läbt sich als vertraut bezeichnen.

 

Dieser Verwendung von na ist keine konkrete Kategorie zuzuordnen. Ehlich differenziert inhaltlich die verbundenen Formen nicht genauer. naja kommt nicht als Beispiel vor. Die Beschreibungen von den zitierten Wörterbüchern bieten auch keine Hilfe zur Interpretation.

naja scheint hier eine einleitende und modalisierende Funktion auszuüben. Für naja wäre etwa die Paraphrase “Was soll ich dazu sagen” möglich.

 

(22)      <RedSky> naja             

 

Der zu analysierende Ausdruck steht mit keiner anderen Äußerung eindeutig im Zusammenhang. Der einzige denkbare Zusammenhang liegt zwischen den folgenden Äußerungen:

 

* RedSky wartet immernoch auf den begruessung von c *schmoll*

<`c`> {{{{{{{{{{{{{{{{{{{{RedSky}}}}}}}}}}}}}}}}}}}}

<`c`> ;)

<RedSky> naja

 

Der Sprecher ist enttäuscht, da er nicht früher von `c`  begrüßt worden ist und drückt diese Enttäuschung mit naja aus. Aus dem Kontext kann man auf eine Vertrautheit zwischen RedSky und `c` schließen: die von `c` eingegebene Figur mit den geschweiften Klammern markiert Umarmung und kann als eine sehr freundliche und vertraute Begrübungsform interpretiert werden. Beide sind Stammteilnehmer und haben den Operator-Status. Von Spontaneität zeugen sowohl RedSkys explizit ausgedrückte Enttäuschung mit dem Asterisk-Ausdruck als auch `c´s virtuelle Umarmung. Es entsteht kein Dialog zwischen ihnen im Channel, möglicherweise aber im privaten Fenster.

Nach Ehlich liegt hier eine Verbindung des na mit “anderen Kurzausdrücken” vor. (Siehe S. 47). Wie  auch an den weiteren Beispielen zu sehen ist, ist die Verbindung sehr eng: die Elemente werden zusammengeschrieben. Auch Ehlich erwähnt diese enge Verbindung.[88]

 

(23)      <_Ziggy> danni: naja, dert wollt mal kurz mail holen...             

Sowohl der Sprecher als auch der Adressat gehören zu den Stammteilnehmern mit dem Operator-Status. Daraus kann auf eine gewisse Vertrautheit geschlossen werden. Die im Kontext vorkommenden reduplizierten Fragezeichen und schliebenden Klammerzeichen bei einem Smiley weisen auf Spontaneität hin. Durch den zwinkernden, breit lächelnden Smiley will der Produzent seine Gutmütigkeit ausdrücken, die sich auf eine dritte Person richtet. Der kurze Dialog entsteht durch Fragen und Antworten.

 

Dieses einleitende naja ist durch ein Komma von der weiteren Äußerung getrennt, das als Zeichen für eine Pause interpretiert werden kann. naja ist hier als eine besänftigende Äußerung, modalisierender Ausdruck zu verstehen. Eine mögliche Paraphrase wäre: “Eigentlich ist das nicht so schlimm”.

 

(24)      <Surak> mukda: Naja...eher viel gefressen...};-)

 

Auch hier sind beide Interaktanten Stammteilnehmer mit dem Operator-Status. Sie verfügen über gemeinsames Wissen und gemeinsame Kommunikationserfahrung. Dialogizität entsteht durch die von mukda gestellte Frage. Das Gespräch wird nicht fortgesetzt, da Surak den Channel verläbt.

 

Die Äußerung ist Antwort auf eine vom Adressaten gestellte Frage. Sie enthält einen humorvollen Smiley, der nach Haase et al.[89] ein Toupet enthält }. Der gleiche Smiley kommt beim Sprecher nur noch einmal vor.[90] Weiter enthält der Smiley das zwinkernde Auge, was zu bedeuten hat, daß die Aussage humorvoll gemeint ist. Für naja wäre die Paraphrase “(Eigentlich) Nichts Besonderes” denkbar.

 

(25)      <Surak> RedSky: *rotfl* Naja immerhin simmer net so laut wie Spitz und Ronja             

 

Der Rezipient wie auch der Produzent sind Stammteilnehmer des Channels und haben den Opetator-Status. Sie sind gut befreundet und kennen sich gut. Sie verfügen über gemeinsames Hintergrundwissen und Kommunikationserfahrung. Der Vertrautheitsgrad zwischen ihnen scheint relativ hoch zu sein. Spontaneität kommt durch den Asterisk-Ausdruck *rotfl* zum Ausdruck (s. S. 6). Der Grad der Dialogizität ist hoch: es läuft längeres Gespräch zwischen den Interaktanten mit mehreren Wechseln der Sprecherrolle.

Das Fehlen des Kommas nach naja deutet auf Ökonomität hin. Würde die Äuberung ausgesprochen, wäre nach dem naja eine Pause zu vermuten.

naja dient hier als ein einleitendes Element und hat einen feststellenden Charakter.

 

(26)      <Liesl> 0: naja, kannst ja net wissen...grins

 

Sowohl der Produzent als auch der Rezipient sind Stammteilnehmer mit dem Operator-Status und haben daher gemeinsames Wissen und Kommunikationserfahrung. Im Kontext wird Spontaneität v.a. in der Äuberung von `o´ deutlich: <`o`> zwergl – axoooooooooooooo *schaem*. axo steht für `ach so´ und drückt Verständnis aus. Expressivität kommt durch das Akronym zum Ausdruck.

grins übt hier die gleiche modalisierende Funktion wie ein zwinkernder Smiley und hat etwa die Bedeutung “nicht ernst nehmen” oder “macht nichts”.

Der Äußerung geht ein Mißverständnis voraus, das mit diesem Ausdruck kommentiert und akzeptiert wird. Das einleitende naja übt wie der Asterisk-Ausdruck eine modalisierende Funktion aus und hat einen feststellenden Charakter. Eine mögliche Paraphrase wäre: “Das ist doch nicht so schlimm!”.

 

(27)      <Delta_X> realiteee: naja, bei CIS sind die wenigsten Penner, das ist denen zu teuer

 

Hier handelt es sich wieder um Stammteilnehmer mit Operator-Status. Spontaneität ist zu beobachten: zum einen die Äußerungen dicht auf einander, zum anderen ist die obige Äußerung ein Teil einer kleinen Auseinandersetzung zwischen einigen Teilnehmern. Ein derartiger Wortwechsel setzt eine gewisse Vertrautheit voraus. In der Diskussion kommen impulsive, affektive und expressive Elemente zum Tragen. Die obige Äuberung richtet sich nicht direkt an einen bestimmten Teilnehmer, enthält aber dennoch mit dem Ausdruck `Penner´ ein expressives Element. `Penner´ steht hier im allgemeinen für asoziale Menschen. Dialogizität entsteht durch die zahlreichen und häufigen Sprecherrollenwechsel.

 

Auch hier hat naja eine einleitende Funktion, obgleich seine Position relativ isoliert ist. Würde die Äußerung ausgesprochen, würde zwischen naja und dem restlichen Ausdruck eine Pause gemachtr werden, worauf auch das Komma hinzudeuten scheint. Der Inhalt sowie die genaue Funktion des na ist aus dem Kontext schwierig zu schließen. naja scheint in diesem Fall eine gewisse Skepsis gegenüber der vorangegangenen Äuberung auszudrücken oder sogar eine Ablehnung.

(28)      <Trips> Centauro: naja...haettst ja laenger machen koenn-sind doch ferien             

 

Über den Status des Sprechers steht keine Information zur Verfügung. Der Adressat dagegen hat den Operator-Status. Beide sind Stammteilnehmer, was auf gemeinsames Hintergrundwissen schließen läßt. Der Sprecher zeigt Expressivität und Affektivität auf, indem er sich das Ausscheiden des Adressaten bedauert. Wegen des frühen Fortgehen kommt es nicht zu einer längeren Interaktion zwischen den Gesprächspartnern. Der zu analysierende Satz kann sich sowohl auf das direkt vorausgehende Ausscheiden des Adressaten (Er verläbt den Channel bzw. seine Leitung zum IRC ist unterbrochen.) als auch auf die von ihm zuletzt gemachte Äuberung beziehen.

 

<Trips> hi Cent...wie war´s am WE?

[...]

<Centauro> hai Trips ... war erste klasse ... nurn wenig kurz :)

*** Centauro has quit IRC (Und wieder mal rausgeflogen ... brb)

[…]

<Trips> Centauro: naja...haettst ja laenger machen koenn-sind doch ferien

 

Die erste Möglichkeit scheint unwahrscheinlicher zu sein, da die kommentierende Äußerung von Trips unmittelbar nach dem Ausscheiden von Centauro erscheint. Der genaue zeitliche Abstand zwischen der Meldung und dem Kommentar kann allerdings nicht festgestellt werden. Er kann aber lediglich eine halbe Minute bis mehrere Minuten betragen. Aus diesem Grund scheint die zweite Interpretation wahrscheinlicher zu sein: Trips bezieht sich auf das Wochenende. Centauros Äuberung über die Kürze des Ereignisses am Wochenende wird von Trips kommentiert. Er hätte länger bleiben können/sollen. Falls die erste Interpretation gültig ist, würde naja Enttäuschung ausdrücken. Im anderen Fall gälte naja eher als eine leicht vorwurfsvolle Äußerung; als Paraphrase wäre “Selber schuld.” möglich

Auf alle Fälle steht auch hier eine selbständige Interjektion: Der Satz wäre auch ohne naja möglich bzw. könnte naja allein für die ganze Äußerung stehen.

9.3.6. nagut

 

(29)      <netzlast>  nagut meine suessen... ich geh n happen essen... bis nachher.... cu    

 

Der Sprecher gehört zu den Stammteilnehmern des Channels und verfügt über den Operator-Status. Der Vertrautheitsgrad ist wie bei nahezu allen untersuchten Fällen: Die Teilnehmer kennen sich gut und sind befreundet. Dies läßt sich auch in der Anrede erkennen: meine suessen. Die Anrede weist zusätzlich auf Spontaneität und Affektivität hin. Dem zu behandelnden Ausdruck geht lediglich ein Kommentar des Sprechers voraus; eine mit diesem Ausdruck zusammenhängende Dialogizität ist nicht vorhanden. Die Äuberung erfolgt spontan.

Diese Äußerung ist an alle Teilnehmer gerichtet und enthält eine mit na eingeleitete Anrede, den Grund für sein Weggehen und die Ankündigung seiner späteren Rückkehr.

Dieser Ausdruck wird als eine Art abschliebende Formel verwendet, vor allem wie hier im Zusammenhang mit anderen Abschiedsformeln.